Jeden Tag gelangt vieles in den Abfluss, das dort eigentlich nichts verloren hat. Feuchttücher zum Beispiel gehören in den Restmüll, nicht ins WC. In diesem Ratgeber lesen Sie, welche Dinge sich in der Toilette wirklich auflösen und welche im Kanal hängen bleiben.
Dürfen Feuchttücher ins WC, wenn „spülbar“ draufsteht?
Feuchttücher sind so gemacht, dass sie auch nass nicht auseinanderfallen. In der Regel bestehen sie aus Vliesstoff mit Kunstfasern oder aus fest miteinander verbundenen Zellstofffasern, damit sie beim Benutzen nicht reißen. Gerade diese Stabilität wird im Abwasser zum Problem. Toilettenpapier zerfällt bereits nach kurzer Strecke im Wasser, ein Feuchttuch dagegen bleibt lange Zeit am Stück.
Daran ändert auch der Hinweis „spülbar“ wenig. Meist besagt er lediglich, dass das Tuch durch Toilette und Bogen hindurchpasst. Ob es sich anschließend in Hausleitung und Kanal schnell genug zersetzt, geht daraus nicht hervor. Wasserverbände und Betreiber von Kläranlagen empfehlen deshalb, keinerlei Feuchttücher in die Toilette zu werfen. Das gilt auch für Abschminktücher.
Grisha Stelzmann, Inhaber von RohrTotal, ist seit mehr als 30 Jahren in der Rohrreinigung tätig. Früher leitete er einen eigenen Sanitärbetrieb in Kapstadt, heute arbeitet er in Dietenheim.
Aus der Praxis: Meist ist es nicht ein einzelnes Tuch, sondern ein über Wochen gewachsener Pfropfen, bis irgendwann gar nichts mehr abläuft.
Was passiert mit einem Feuchttuch, nachdem Sie gespült haben?
Nach dem Spülen durchläuft das Tuch mehrere Leitungsabschnitte: vom WC in die Fallleitung, weiter in die Grundleitung unter dem Gebäude und schließlich über den Hausanschluss in den öffentlichen Kanal. An jeder Stelle, an der das Rohr nicht vollkommen glatt ist, kann sich ein Tuch verfangen. Daran bleibt dann das nächste hängen.
- Muffen und Rohrversatz: Bereits winzige Kanten an Verbindungen genügen, damit sich Fasern festhaken.
- Abzweige und Bögen: An diesen Stellen wird das Wasser langsamer, und Tücher bleiben zurück.
- Wurzeleinwuchs: Feine Wurzeln im Rohr funktionieren wie ein Sieb, an dem sich Tücher ansammeln.
- Fett aus der Küche: Zusammen mit den Tüchern bildet es zähe, harte Pfropfen.
- Flache Leitungen: Ist das Gefälle gering, fehlt die Strömung, die Tücher weiterbefördern würde.
Gelangt ein Tuch bis in den öffentlichen Kanal, ist das Problem lediglich woanders. In Pumpwerken wickeln sich Tücher um die Laufräder, was Fachleute als Verzopfung bezeichnen. Die Pumpen fallen aus und müssen per Hand gesäubert werden. Die Kosten dafür zahlen alle Haushalte über die Abwassergebühren mit. Für Sie persönlich ist das Risiko aber noch unmittelbarer: Steckt der Pfropfen in der Grundleitung, staut sich das Abwasser am niedrigsten Ablauf im Haus. Das ist oft der Keller.
Ist Toilettenpapier unbedenklich, und gilt das auch für feuchtes?
Trockenes Toilettenpapier ist dazu bestimmt, sich im Wasser aufzulösen. Probleme entstehen nur, wenn sehr viel auf einmal hineingelangt. Das kommt etwa vor, wenn ausschließlich mit der Spartaste gespült wird. Dann genügt das Wasser nicht, um den Papierklumpen durch den Bogen zu befördern. Die Lösung ist simpel: zwischendurch spülen und bei viel Papier die große Taste verwenden.
Bei feuchtem Toilettenpapier sieht es anders aus. Damit es in der Verpackung nicht zerfällt, ist es stärker gebunden und löst sich spürbar langsamer auf. In kurzen, steilen Leitungen geht das häufig gut. In langen, flachen Grundleitungen älterer Gebäude bleibt es eher liegen. Klempner raten daher zu einem kleinen Hygieneeimer neben der Toilette für feuchtes Papier. Alternativ können Sie trockenes Papier am Waschbecken kurz befeuchten. Es löst sich dann wie üblich auf.
Was darf ins WC oder in den Ausguss?
| Was | Ins Rohr? | Warum / besser so |
|---|---|---|
| Trockenes Toilettenpapier | Ja | Löst sich im Wasser auf; bei großen Mengen zwischendurch spülen |
| Feuchtes Toilettenpapier | Besser nicht | Zerfällt deutlich langsamer; in den Hygieneeimer |
| Feuchttücher, auch „spülbare“ | Nein | Reißfest, häufig mit Kunstfasern; in den Restmüll |
| Taschentücher, Küchenpapier | Nein | Nassfest, bleiben lange stabil; in den Restmüll |
| Spülmittel in üblicher Menge | Ja | Unbedenklich, löst Fett jedoch nur vorübergehend |
| Bratfett, Frittieröl | Nein | Wird im kalten Rohr fest; abgekühlt in den Müll |
| Wattestäbchen, Hygieneartikel, Haare | Nein | Bleiben an Muffen und Bögen hängen; in den Restmüll |
Faustregel: In die Toilette gehören nur Ausscheidungen und Toilettenpapier.
Wie lösen Sie eine Verstopfung selbst, und in welcher Reihenfolge?
Steht das Wasser in der Toilette, spülen Sie keinesfalls erneut, da die Schüssel sonst überläuft. Fließt auch das Wasser in Dusche oder Waschbecken schlecht ab, liegt die Verstopfung weiter unten, und Hausmittel richten wenig aus. Andernfalls arbeiten Sie sich von der schonendsten zur kräftigsten Methode vor.
Schritt für Schritt: So gehen Sie vor
- Methode 1: Heißes Wasser und SpülmittelSchöpfen Sie zunächst etwas Wasser aus der Schüssel. Geben Sie dann einen großzügigen Schuss Spülmittel hinein und gießen Sie aus Hüfthöhe einen Eimer heißes, jedoch nicht kochendes Wasser nach. Warten Sie 15–20 Minuten. Das Spülmittel sorgt dafür, dass Papier und Fettreste besser gleiten. Verzichten Sie auf kochendes Wasser, da die Keramik sonst springen kann.
- Methode 2: Die Saugglocke (Pömpel)Nutzen Sie für die Toilette eine Saugglocke mit kegelförmigem Aufsatz. Das Gummi muss ganz von Wasser bedeckt sein. Setzen Sie die Glocke gerade an, pumpen Sie mehrfach kräftig und ziehen Sie sie anschließend mit einem Ruck ab. Beim Waschbecken verschließen Sie vorher den Überlauf mit einem feuchten Lappen.
- Methode 3: Backpulver und EssigGreifen Sie lieber zu reinem Natron, da Backpulver eine Mischung ist. Geben Sie eine halbe Tasse Natron und anschließend eine Tasse Essig in den Abfluss und spülen Sie nach rund 30 Minuten mit heißem Wasser nach. Natron und Essig heben sich größtenteils gegenseitig auf, die Wirkung entsteht hauptsächlich durch das Schäumen. Bei leichten Ablagerungen hilft das, bei Feuchttüchern nicht.
- Methode 4: RohrreinigungsspiraleVerwenden Sie für die Toilette ausschließlich eine Spirale mit Schutzschlauch, damit die Glasur keine Kratzer bekommt. Schieben Sie die Spirale langsam unter Drehen hinein. Spüren Sie Widerstand, drücken Sie nicht, sondern arbeiten Sie drehend vor und zurück. Knäuel aus Tüchern verfangen sich häufig im Spiralkopf und lassen sich so herausholen. Sitzt der Pfropfen weiter unten, als die Spirale reicht, ist an dieser Stelle Schluss.
Wann sollten Sie besser einen Fachbetrieb beauftragen?
Eine einmalige Verstopfung, die sich mit Spülmittel oder Saugglocke beheben lässt, ist in der Regel unbedenklich. Tritt sie aber nach wenigen Wochen erneut auf, ist meist nicht nur der letzte Spülgang schuld. Häufig sitzt dann eine Engstelle im Rohr, etwa ein Versatz, an dem sich Tücher immer wieder verfangen.
Selbst beheben oder den Fachmann holen?
Das bekommen Sie meist selbst in den Griff
- Es ist nur eine Toilette oder ein Becken betroffen
- Die Ursache ist eindeutig, etwa zu viel Papier auf einmal
- Nach Methode 1 oder 2 fließt das Wasser wieder normal ab
- Es ist die erste Verstopfung seit längerer Zeit
Hier ist der Fachbetrieb gefragt
- Mehrere Abläufe laufen gleichzeitig langsam ab
- In Dusche oder Keller steigt Wasser nach oben
- Aus dem Abfluss gluckert oder riecht es ständig
- Die Verstopfung tritt innerhalb weniger Wochen erneut auf
In diesen Situationen bringt eine Kamerainspektion Gewissheit. RohrTotal prüft Leitungen mit HD-Kamera nach DIN EN 13508 und reinigt sie mit Hochdrucktechnik. So können Sie erkennen, ob die Leitung nach der Reinigung wieder frei ist oder ob ein Schaden repariert werden muss.
Was können Sie künftig tun, damit es gar nicht erst so weit kommt?
Drei Gewohnheiten setzen genau bei Tüchern, Küchenfett und Siphon an:
- Platzieren Sie neben jeder Toilette einen Eimer mit Deckel für Feuchttücher, feuchtes Toilettenpapier und Hygieneartikel.
- Wischen Sie Pfannen vor dem Spülen mit Küchenpapier aus und entsorgen Sie das Papier im Müll.
- Säubern Sie Siphons im Bad etwa alle 3–6 Monate und in der Küche alle 1–3 Monate.
Wer bisher Feuchttücher gespült hat, sollte auf Gluckern im Abfluss achten. Es weist darauf hin, dass sich im Rohr etwas festgesetzt hat. Wird rechtzeitig gereinigt, ist der Aufwand meist überschaubar und wesentlich geringer als bei einem Rückstau im Keller.





